Die Rolle des Prozessagenten (procurador) in Spanien

Der Prozessagent (procurador) ist ein Rechtsbeistand, der in Spanien häufig eingestellt wird, um die Verbindung zwischen Mandanten und Gerichten zu stärken. Der auf Prozessrecht spezialisierte Prozessagent (procurador) ist mit allen Gerichtsverfahren bestens vertraut und kann daher den Mandanten vor Gericht optimal vertreten.

Eine Besonderheit der spanischen Gerichte

In Spanien gibt es etwa 11.000 Prozessagenten (procuradores), welche sich in mehrere Kammern zusammengeschlossen haben. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Einzelpersonen oder Unternehmen vor den verschiedenen Justizorganen zu vertreten. In der Tat ist es das Ziel des Prozessagenten (procuradores), das Gerichtsverfahren zu beschleunigen, indem er alle notwendigen Schritte unternimmt, um sicherzustellen, dass es effizient abläuft. Prozessagenten (procuradores) sind verantwortlich für die Einreichung von Schriftsätzen im Namen ihrer Mandanten, die Verwaltung der Gerichtskosten, die Bearbeitung von Aufträgen und die Veröffentlichung von Bekanntmachungen in offiziellen Amtsblättern. Sie können auch während der Gerichtsverhandlungen Vergleiche im Namen des Mandanten abschließen.

Im Gegensatz zu Rechtsanwälten plädieren Prozessagenten (procuradores) nicht, sondern vertreten Mandanten, im formellen Sinne, vor juristischen Instanzen. Die Ernennung eines Prozessagenten (procuradores) ist in Straf- und Zivilrechtsverfahren obligatorisch, mit Ausnahme von Bagatelldelikten und Zivilverfahren, deren Streitwert einen Betrag von maximal EUR 2.000,- nicht übersteigt. Prozessagentenkönnen auch in arbeits- und verwaltungsrechtlichen Verfahren hinzugezogen werden.

Ein bedrohter Berufsstand

Die Rolle des Prozessagenten (procuradores) wurde in den letzten Jahren als nutzlos bezeichnet. Im Jahr 2016 leitete die Europäische Kommission eine Untersuchung namens Europilot ein, um festzustellen, ob Prozessagenten übermäßige und ungerechtfertigte Hindernisse für die Erbringung von Dienstleistungen verursachen. Im Jahr 2018 genehmigte die Europäische Kommission jedoch den Beruf schließlich. Im Gegenzug dazu wurde das Fachgesellschaftsrecht geändert.

Die Figur des spanischen Prozessagenten (procurador) wird fälschlicherweise oft mit dem Solicitors und Barristers aus dem englischen Common Law oder mit US-amerikanischen Anwälten verglichen. Es scheint jedoch keinen äquivalenten Beruf vor angloamerikanischen Gerichten zu geben. Was spanische Prozessagenten (procuradores) auszeichnet, ist, dass sie, obwohl sie einen juristischen Abschluss haben, nicht wie Barristers und Solicitors im Vereinigten Königreich und Rechtsanwälte in den USA, Mandanten vor Gericht verteidigen können. Im Gegensatz zu den übrigen oben genannten Berufen erteilen die spanischen Prozessagenten (procuradores) grundsätzlich weder Rechtsberatung noch verfassen sie Schriftsätze. Sie haben auch nur selten direkten Kontakt zu den Mandanten, da sie in der Regel von Anwälten selbst eingestellt werden. All diese Unterschiede führen zu der Schlussfolgerung, dass der spanische Prozessagent (procurador) eine einzigartige Figur des spanischen Justizsystems ist – ein Vermittler mit der Aufgabe, die Kommunikation zwischen den Mandanten und dem Gericht zu erleichtern.

Laura Coursimault

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