Exportstrategien von Franchiseunternehmen auf den spanischen Markt

Die Franchise-Branche macht in Deutschland mittlerweile einen erheblichen Anteil an der Wirtschaft aus. So gab es im Jahr 2015 in Deutschland bereits 156.662 Franchise-Betriebe mit knapp 700.000 Beschäftigten. Der Umsatz dieser Unternehmen erreichte beinahe 100 Milliarden Euro.

Das Franchise-Modell wird dabei insbesondere von Unternehmen in der Diensleistungsbranche, im Handel sowie dem Bereich Gastronomie/Touristik/Freizeit genutzt. Ein mögliches Zielland für den Export einer Franchise-Idee stellt dabei auch Spanien dar.

Die spanische Wirtschaft entwickelt sich zunehmend offener im Hinblick auf die Aufnahme von Franchise-Unternehmen. Jedes Jahr wächst der Markt für Franchise-Unternehmen. Nach einem Bericht der spanischen Franchise-Vereinigung kommen 18% der Franchisegeber in Spanien aus dem Ausland. Dies ist bedingt durch eine große Bandbreite an Faktoren, die das Wachstum und den Erfolg eines Franchisesystems beeinflussen, inklusive der Sprache und kultureller Gemeinsamkeiten. Es macht es automatisch einfacher, wenn zwei miteinander arbeitende Staaten über eine ähnliche Arbeitsethik verfügen, da hierdurch kulturelle Unterschiede marginalisiert werden. Deutsche Unternehmen würden davon profitieren, ihr Geschäftsmodell derart auszuweiten und die Bekanntheit ihrer Marke in Spanien zu steigern.

Der Franchise-Sektor in Spanien

Der Franchise-Sektor in Spanien ist in den letzten Jahren gewachsen. Im Jahr 2010 sind die Verkäufe um 2% gewachsen und wachsen immer noch. Sie hatten im Jahr 2010 einen Wert von etwa 23,3 Milliarden Euro. Deutsche Unternehmen würden von einem Franchisexport nach Spanien aufgrund verschiedener Faktoren massiv profitieren. Das spanische Steuersystem ist weniger kompliziert als das deutsche. Spanien besetzt Platz 33 im 183 Staaten umfassenden Doing Business-Ranking der Weltbank (Deutschland Platz 15). In jedem Fall hat der Export eines Franchisemodells einem Ensemble von Formalitäten und Sicherheitsvorkehrungen zu folgen. Der Franchisegeber muss das Franchiseunternehmen drei Monate vor der Geschäftsaufnahme im Franchise-Register aufnehmen lassen.

Erste Schritte bei der Franchise-Gründung in Spanien

  • Kennen Sie die Stärken und attraktiven Eigenschaften des Franchise-Modells mit dem Ziel der Steigerung der Entwicklung des Markenbewusstseins und der Organisation unverwechselbarer Zeichen. Überdies sollte man sich der organisatorischen und verwaltungstechnischen Methoden bewusst sein, die für die Erweiterung des Netzwerks im Ausland erforderlich sind.
  • Untersuchen Sie die Exportfähigkeit des Franchisemodells und die potentielle Anpassung, die notwendig ist, um den Besonderheiten der Branche und des neuen (spanischen) Marktes Rechnung zu tragen. Werten Sie die Bedürfnisse und Gepflogenheiten der Verbraucher aus. Analysieren Sie den lokalen Markt (Handelsbräuche, Niveau des Wettbewerbs auf dem relevanten Gebiet, nationale und lokale Gesetzgebung, die für die konkrete Aktivität Relevanz entfaltet).
  • Besorgen Sie sich eine Urkunde oder einen Eigentumstitel, um den Markenschutz zu organisieren (Territorialprinzip), damit eine sichere und kontrollierte legale internationale Entwicklung des Franchise-Projektes gewährleistet ist.
  • Initiieren Sie das Europäische (REGIPAT) oder Internationale (WIPO) Markenregistrierungsverfahren.

Rechtliche Schritte, um Ihr Franchise-Modell nach Spanien zu exportieren

Selbst, wenn ein Franchise-Vertrag klar unterscheidet zwischen dem Status eines Franchisegebers und dem eines Franchisenehmers, ist für beide Akteure eine vertrauensvolle Beziehung notwendig, um ein wirklich gemeinsames Projekt zu etablieren. Den perfekten Partner zu wählen und seine oder ihre Fähigkeiten zu überprüfen, sind zwei fundamentale Elemente, um eine gelassene und belastbare Geschäftspartnerschaft und eine entsprechende Entwicklung im Ausland zu gewährleisten.

  • Bereiten Sie die Veröffentlichung der vorvertraglichen Informationen vor, die der anderen Partei 20 Tage vor irgendeiner Unterschrift zur Verfügung gestellt werden muss.
  • Bereiten Sie einen Entwurf der Franchise-Vereinbarung vor, welche die Modalitäten des Know-how-Transfers sowie die Bereitstellung technischer und kommerzieller Unterstützung umfassen muss.
  • Verhandeln Sie eine Wettbewerbsverbotsklausel und andere Regelungen, welche die Entwicklung des Netzwerks und seiner Aktivitäten umfassen.
  • Planen Sie eine gemeinsame Werbestrategie (bzgl. Investitionen und Vergütungen) ebenso wie die Aufnahme von Regelungen zur Qualitätsgarantie hinsichtlich der Markenstandards sowie zur Homogenität zwischen den verschiedenen Geschäften innerhalb des Franchise-Netzwerks.
  • Überprüfen Sie den Franchise-Vertrag mithilfe eines spanischen Rechtsanwalts, um die korrekte Anmeldung im Franchise-Register zu gewährleisten.
  • Überprüfen Sie den gesicherten Schutz der Marke in Spanien.
  • Bereiten Sie die Angelegenheiten des Online-Verkaufs und die Präsenz in den sozialen Netzwerken vor.

Die Wahl des richtigen Franchisemodells

Es gibt verschiedene passende Modelle, um Ihr Franchise-Modell auf das spanische Territorium auszuweiten:

  • Haupt- (Master-)franchise
  • Direktes Franchise
  • Franchise-Niederlassung
  • Eine Alternative: das Joint Venture

Die Erlangung eines geeigneten Überblicks über den spezifischen Markt ist von grundlegender Bedeutung, um es den Parteien zu ermöglichen, die Vertragsmodalitäten und die Gestaltungsmacht (das Niveau der Unabhängigkeit) des Franchisenehmers anzupassen. Ein Scheitern des Franchisenehmers kann zu einer substantiellen Verzögerung bei der Entwicklung der Aktivität auf dem lokalen Markt führen und kann sogar dazu führen, dass Wettbewerber die Gelegenheit bekommen, über diesen die Kontrolle zu erlangen. Deshalb ist die Unterstützung durch einen lokalen Experten hinsichtlich dieser Angelegenheiten der beste Weg, um Ihr Franchise-Modell unter den besten Bedingungen nach Spanien zu exportieren.

Denys Peraud & Clément-Henri Girardot

Dieser Beitrag ist nicht als Rechtsberatung zu verstehen

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